Mittwoch, 18. April 2018

|Blühende Bäume sind wunderschön! |



Liebe Leser, liebes Zukunfts-Ich! 

Mit ein paar wunderschönen Bildern melde ich mich zurück. Während es vor einem Monat noch geschneit hat, laufen diese Woche alle in Shorts und Sandalen rum und im Radio ist vom ''Hochsommer'' die Rede. Und weil nun endlich der Frühling begonnen hat (oder auch der Sommer?), habe ich die Gelegenheit genutzt und ein paar schöne Aufnahmen von blühenden Bäumen aller Art gemacht. (Diese sind wirklich an jeder Ecke zu finden!)

Viel Spaß!


Ein Kirschbaum:





Eine weiße Magnolie:





Sonntag, 25. März 2018

|LATEIN SELBSTSTÄNDIG LERNEN| Teil 1



Liebe Leser, 


heute wollte ich ein wenig über meine ersten Erfahrungen berichten, die ich beim eigenständigen Latein-Lernen so gesammelt habe und wie ich überhaupt darauf gekommen bin, diese Sprache lernen zu wollen. Viel Spaß beim Lesen! 

Vorgeschichte- Wieso lerne ich Latein? 
Bereits in der sechsten Klasse wollte ich Latein lernen. Damals jedoch, weil ich dachte, man könne ohne das in der Schule absolvierte Latinum kein Medizin studieren- dabei wollte ich unbedingt einmal Ärztin werden. 
Leider wurde auf meiner Schule lediglich Französisch angeboten, kein Latein (Realschule). Die Jahre vergingen und so änderte sich zwischenzeitlich auch mein ''Traumberuf''. Aus Arzt wurde Lehrer- teilweise auch weil ich dachte, ich würde ohne Latein ja sowieso niemals einen Medizin Studienplatz kriegen und müsse mir eine Alternative suchen. 
In der zehnten Klasse dann, als die zweiten Wahlpflichtfächer (vergleichbar mit ''AG's'') vorgestellt wurden, stand auch Latein zur Auswahl. Als kleines, unbedeutendes Nebenfach sozusagen. Ich hatte sofort Interesse und kam nach kurzem Hin und Her in den Kurs rein. Anders als erwartet war der Kurs überbesetzt. Der Lehrer druckte haufenweise Arbeitsblätter aus, erzählte was man im Fach Latein denn so lernen würde, aber wirklich etwas lernen taten wir nie. Nach den Herbstferien sollte der Lehrer die Schule wechseln, doch zum Glück meldete sich ein weiterer Lehrer, welcher zu Schulzeiten Latein gehabt hatte, und schlug vor, den Kurs zu übernehmen. Der Unterricht bei Ihm war das, von dem der andere Lehrer dauernd gesprochen hatte. Sprich: Wir lernten nicht was man lernt, sondern wir lernten. Hauptsächlich bestanden der Unterricht und die Hausaufgaben aus Übersetzen, übersetzen, übersetzen. Klar- ist ja auch eine tote Sprache. Nebenbei wurden die Fälle bestimmt, Vokabeln gelernt und eine Serie gesehen, die im alten Rom spielte und uns die damalige Kultur näher bringen sollte. 
Es machte- mir zumindest- unfassbar viel Spaß. Latein ist der Ursprung so vieler Sprachen, ist unfassbar komplex und in meinen Augen einfach wunderschön
Nach einem Jahr endete der Kurs jedoch und Weiterwählen durfte ich Latein auf dem Gymnasium nicht, da es auf der Realschule lediglich als AG unterrichtet worden war. Mittlerweile, nach meinem Praktikum im Krankenhaus, ist mein Wunsch nach dem Abitur Medizin zu studieren wieder präsent. Dies und meine Begeisterung für die lateinische Sprache, haben dazu geführt, dass ich mir vorgenommen habe Latein mir Latein nun eigenständig beizubringen, und mich, sofern ich mich dafür bereit fühlen werde, bei einer staatlichen Latinum-Prüfung anzumelden. Mit genügend Motivation ist jede Hürde überwindbar



Lern-Utensilien 
Ich lerne mit dem Buch ''Ianua Nova'', mit dem wir bereits in der Schule geübt haben. Es gibt 2 Bände des Buches, zu denen es jeweils ein zugehöriges Vokabelheft gibt. Der erste Band besteht aus 36 Lektionen, der zweite aus 27 Lektionen.
Zusätzlich zu dem Ianua Nova Buch, habe ich mir noch ein Grammatik-Buch von Langenscheid angeschafft. Besonders gut finde ich daran, dass dieses sich nicht nur auf die Grammatik, sondern auch auf die römische Geschichte bezieht, wodurch man wissenswerte Hintergrundinformationen erhält, die beim mündlichen Teil der Prüfung bestimmt hilfreich sein werden. 






Probleme lösen 
Anfangs war ich etwas verwirrt, was die Deklinationen von Nomen und manchen Adjektiven angeht, doch mit etwas Fleiß, ließ auch das sich schnell überblicken. 
Sollte ich gar nicht mehr vorankommen, so würde ich in Erwägung ziehen, mir eine Nachhilfe zu suchen, doch zurzeit komme ich sehr gut alleine zurecht. Obwohl es zu dem Ianua Nova Buch kein Lösungsheft gibt, kann ich mithilfe des Internets (zum Beispiel frag-caesar.de), oder meines Grammatik-Wörterbuchs, relativ schnell selber feststellen, ob ich etwas richtig übersetzt habe, oder nicht. Bei kniffligeren Fragen eignen sich spezielle Foren sehr gut (zum Beispiel lateinforum.de). 


Lerntechnik
Um die Nomen direkt mit ihren zugehörigen Deklinationen zu lernen, habe ich mir ein DIN A4 Blatt genommen und alle bisher gelernten Nomen inklusive Deklinationen drauf geschrieben. Für alle bisher gelernten Verben habe ich ein extra Blatt angelegt, ebenso für Adjektive, Frage-Wörter, oder Orte
Ebenfalls hilfreich finde ich, nachdem ich einen Text übersetzt habe, alle möglichen Wortarten zu unterstreichen, zu markieren worauf welches Wort sich bezieht, die KNG-Regel jedes vorhandenen Substantives zu bestimmen (Kasus/Fall, Numerus/Anzahl, Genus/Geschlecht) und von den vorhandenen Verben den Infinitiv aufzuschreiben
Am Ianua-Nova-Buch finde ich sehr gut, dass die einzelnen Lektionen nicht zu allzu lang sind (Bearbeitungszeit circa 60-90 Minuten) und stets von den selben Personen die Rede ist, so dass man nicht durcheinander kommt. Außerdem sind am Ende einer Lektionen informative Texte zur römischen Kultur enthalten, wodurch man diese noch näher kennenlernt. 






Was fasziniert mich an Latein? 
Wie bereits oben erwähnt, ist Latein sozusagen die Ursprache sehr vieler Sprachen. Besonders häufig entdecke ich Parallelen zu Latein und Französisch. Doch nicht nur die Wörter faszinieren mich- das eher weniger-, sondern vor allem die Komplexität der Grammatik. Während man sich im Deutschen keine Gedanken über den richtigen Kasus machen muss, da man beinahe intuitiv (meistens) den Richtigen verwendet, muss man sich im Lateinischen genau überlegen, welcher Fall nun der richtige ist. Dadurch lernt man neben Latein auch die Deutsche Grammatik besser kennen, da wie gesagt enorm viele Parallelen bestehen. 

Fazit:
Da es sich bei Latein um eine tote Sprache handelt, fallen Dialoge, oder ähnliches wie man es aus anderen Sprach-Unterrichten kennt, weg. Hauptsächlich ist man damit beschäftigt Texte zu übersetzen und die Grammatik zu verstehen. Hat man den Bogen  jedoch erst einmal raus, so kann Latein eine Menge Freude bereiten. Man könnte es mit Kreuzwort-Rätsel lösen vergleichen: Das Gehirn bleibt fit! Nebenbei lernt man noch interessante Dinge über die alte, römische Kultur und erweitert seinen Wortschatz bzw. verbessert seine Art und Weise sich auszudrücken!









Sonntag, 11. März 2018

|Kichererbsen mit Zucchini, Spinat, Hirse und Avocado| VEGAN


Liebe Leser!

Zur Zeit mache ich die sogenannte Gemüse-Obst-Diät. Eine Detox-Diät, in der man sich ausschließlich von Obst und Gemüse ernährt. Das bedeutet kein zusätzliches Fett, keine Tierprodukte, kein Zucker, einfach nur Obst und Gemüse. (Dazu folgt nach Ostern noch ein extra Blogbeitrag.) Dass man sich von Obst und vor allem von Gemüse so vielseitig ernähren und so köstliche Gerichte draus zaubern kann, hätte ich nicht gedacht. Hier mein Mittagessen vom Freitag: 

(Hülsenfrüchte, in dem Fall die Kichererbsen, oder Getreidesorten wie die Hirse, sollten in der Gemüse-Obst Diät aufgrund des hohen Stärke-Anteils eigentlich gemieden werden. Genauso stark zuckerhaltiges Obst, wie beispielsweise Bananen, oder Beeren, sowie sehr fettreiches Gemüse, wie hier die Avocado. Momentan verzichte ich jedoch auf diese ''Regeln'' und esse einfach jedes Gemüse und Obst. Aber dazu nach Ostern mehr.)

Zubereitung: 
Zuerst habe ich die Kichererbsen weichgekocht und anschließend mit einer in Scheiben geschnittenen Zucchini in etwas Wasser angedünstet, bis die Zucchinischeiben gar waren. Parallel dazu habe ich die Hirse nach Anleitung gekocht. Zu den Zucchinis und den Kichererbsen kam dann etwas Blattspinat, sowie passierte Tomaten und Gewürze (Salz, Kurkuma, Oregano, Kräuter der Provence, Paprikapulver), eine klein gehackte Knoblauchzehe durfte nicht fehlen. 
Eine halbe Avocado in Scheiben geschnitten, ebenso eine Tomate, alles schön angerichtet und zur Krönung zwei dekorative Zitronenscheiben und etwas Sesam drüber. Guten Appetit! 

(Die Inspiration dafür habe ich bei chefkoch.de gefunden und habe das Rezept nur etwas umwandeln müssen, um es meiner Gemüse-Obst-Diät gerecht zu machen: https://www.chefkoch.de/rezepte/1764601286351395/Couscous-mit-Zucchini-Kichererbsen-und-Blattspinat.html )























Dienstag, 6. März 2018

|DIE FAHRPRÜFUNG| Erfahrungsbericht



Liebes Zukunfts-Ich! Liebe Leser!

Nachdem ich bereits im November über meine Theorieprüfung (http://jmmjtj.blogspot.de/2017/11/theorieprufung-erfahrungsbericht.html)   berichtet hatte, habe ich mich nun dafür entschieden, ebenfalls über meine Fahrprüfung zu schreiben. Es ist  in meinen Augen einfach eine wunderbare Art und Weise Eindrücke und Erfahrungen für sich selber festzuhalten und gleichzeitig womöglich auch dem einen oder anderen weiter zu helfen. Nun, fangen wir an!


Die Fahrstunden
Mein praktischer Teil hat Mitte November 2017 angefangen. Ich habe mich klar dafür entschieden, zuerst den theoretischen Teil abzuschließen, bevor ich mit den Fahrstunden anfange, um mich voll und ganz auf eine der beiden Sachen konzentrieren zu können. Ich weiß noch, dass ich mich unfassbar auf meine erste Fahrstunde gefreut habe und auch ein klein wenig aufgeregt war- doch die Vorfreude hat definitiv überwogen. Es war ein Samstag und der Himmel war trotz niedriger Temperaturen blau- fast so wie heute. Vorgestellt hatte ich mir meine erste Fahrstunde so: Ich steige ins Auto ein, der Fahrlehrer erzählt mir irgendwas, dann fahren wir ein paar Runden auf dem Parkplatz und dann war's das. Doch es kam ganz anders. Mir wurde nicht irgendwas erzählt, sondern wie man den Sitz richtig einstellt, die Spiegel, wie man das Lenkrad hält. Ich war hoch motiviert und wollte unbedingt alles richtig machen, stellte die Spiegel wahrscheinlich 10 mal um, um ja alles perfekt sehen zu können. Und dann sagte der Fahrlehrer:,,Schade. Jetzt hast du alles so schön eingestellt, du müsstest es noch einmal neu einstellen, wenn ich uns jetzt zum Parkplatz fahren müsste und wir wieder die Plätze tauschen würden.'' Ich ahnte es schon. ,,Du fährst.'' Zuvor fragte er mich, ob dies das erste Mal sei in dem ich Auto fahren würde. Nun, ich war ja gerade dabei meinen Führerschein zu machen. Nein, ich bin noch nie zuvor Auto gefahren. 
Er beruhigte mich und erklärte, er würde die Pedale übernehmen und ich müsse lediglich lenken und blinken. Lenken? -Wenn es bei Mario Kart klappt, dann bestimmt auch im ''echten'' Leben. Es klappte. Hah, wenn ich doch wirklich immer nur lenken und blinken müsste. Dann fuhren wir auf den Parkplatz und ich lernte im ersten Gang zu fahren, im zweiten (Mensch war das schnell), war mehr oder weniger gezwungen mich mit der Kupplung anzufreunden und merkte schnell, dass Autofahren eigentlich gar nicht so schwierig ist. In der Theorie. Bei der Rückfahrt sollte ich mit Unterstützung des Fahrlehrers langsam selber Kupplung, Bremse und Gas mit benutzen. Wie gut, dass er neben mir saß und eigentlich er es war, der alles ''lenkte'', die blöde Kupplung machte mich nämlich verrückt. 

Zuvor hatte ich eine Wette abgeschlossen: 9 Übungsstunden und ich fange mit den Sonderfahrten an. Man kann es bereits ahnen: Daraus wurde nichts. Bei der zweiten Fahrt lagen geschätzt hundert Kreisverkehre auf der Route. Das Lenken, welches zuvor noch scheinbar so gut geklappt hat, wurde nun zum Problem. Stichwort: Übergreifen. Seit meiner ersten Fahrstunde sah ich alle Autofahrer nun mit ganz anderen Augen an. In meinen Augen waren sie Genies, Hochbegabte, ja völlige Multitasking-Talente. Sie sind in der Lage Autos(!) zu bedienen und fortzubewegen. Das ''Guten Morgen'', mit dem ich nun den Busfahrer grüßte, war jetzt nicht mehr stumpf und müde, sondern von Bewunderung und Neid gezeichnet. Der kann's so gut, dass der es sogar hauptberuflich macht. Mensch, so talentiert würde ich auch gerne sein. Dann kam die Spiegelbeobachtung hinzu. Wenn ich diese Kiste doch nur halbwegs bedienen könnte, dachte ich, dann wäre das alles doch ein Kinderspiel. Spiegelbeobachtung, dass ich nicht lache. Ich muss doch erst einmal den Gang wechseln! Das ist viel schwieriger, als in den Spiegel zu glotzen. 

Das Parken klappte erstaunlicherweise mehr oder weniger am besten. Eines Tages dann, als wir gerade das Berganfahren übten und dabei mehrfach von einem Eichhörnchen unterbrochen wurden, wurde es knapp mit der Zeit. Nur noch wenige Minuten blieben dem Fahrlehrer und er musste am Treffpunkt sein, wo sein nächster Fahrschüler bereits auf ihn wartete. ,,Du hörst mir gleich ganz genau zu und machst genau was ich dir sage, in Ordung?''-,,Natürlich.'' Was für eine Frage. Das mache ich doch immer. Ich dachte mir nichts weiter und stellte mich brav an die Kreuzung, so wie der Fahrlehrer es wollte. 
Wir standen also an der Kreuzung und warteten auf grün. Und während wir so auf grün warteten, sah ich mich um und sah- oh Mist- die Spur auf der wir standen führte geradewegs auf die AUTOBAHN(!!!). ,,Das ist die Spur für die Autobahn!'', bemerkte ich und hyperventilierte dabei beinahe. Es wurde grün. ,,Ja, richtig.''-,,Was soll ich machen?'' Ah du Kacke, das ist es gewesen. Tschüss liebe Freunde. ,,Vollgas! Blinken! Vollgas! Vollgas!'' Der Motor im dritten Gang jaulte. Ich fuhr nun auf der Autobahn. Zum ersten Mal selbstständig. ,,Fünfter Gang! Oben rechts! Fünfter Gang!'' Es kam mir alles so schnell vor. Heute liegt eine Art Film über der Erinnerung an meine erste Fahr auf der Autobahn. Ich weiß noch, dass ich nichts wirklich wahrgenommen habe und nur darauf bedacht war, halbwegs lebendig von der Autobahn runter zu kommen. 

Ich erinnere mich noch daran, dass mir die ersten 15 Fahrstunden unglaublich lang vorkamen. Das heißt, die Abstände zwischen den einzelnen Fahrstunden, auch wenn dies in der Regel nur wenige Tage waren. Nach der 15. Fahrstunde schien alles im Turbo-Modus zu verlaufen. Eben noch war ich bei der 16. Fahrstunde, jetzt war ich schon bei Nummer 25. In der Regel hatte ich Doppelstunden, sprich 90 Minuten, doch manchmal entschied ich mich für eine Einzelstunde. Aus heutiger Sicht kann ich jedem nur davon abraten, Einzelstunden zu nehmen. Zwar klingt es sehr übertrieben, doch meines Erachtens nach, haben mir die Einzelstunden gar nichts gebracht. Hätten sie nicht stattgefunden, könnte ich genauso gut fahren, wie mit ihnen. Man ist einfach ins Auto gestiegen, musste alles einstellen, der Fahrlehrer hat etwas erklärt, man ist bissel in der Gegend rum gefahren und kaum kam man richtig ''in die Gänge'' hieß es auch wieder aussteigen. Letzten Endes brauchte ich zusammen mit den Sonderfahrten somit 37 Fahrstunden bis zur Prüfung. Ohne die Einzelstunden, hätten es jedoch sicherlich 32 sein können. Naja, aus Fehlern lernt man ja bekanntlich am besten. 

Vom Diesel zum Benziner
Eines Tages in den Winterferien, beschlossen meine Eltern und ich zu einem Verkehrsübungsplatz in der Nähe zu fahren. Dies war wahrscheinlich eine der dümmsten Entscheidungen, die ich im Dezember getroffen habe. Es regnete. Kein Problem, dachte ich, schließlich ist das ja kein Cabrio. Ich tauschte mit meinem Papa also die Plätze und war völlig begeistert, ihm endlich zeigen zu können, wie gut ich denn nun Auto fahren könnte. Gut? Nichts da. Es war schon schwer genug, die Kiste überhaupt an zu bekommen. Es handelte sich um einen Benziner, beim Fahrschulauto um einen Diesel. Das Gelände war sehr hügelig und voll. Der zweite Gang war das absolute Maximum, andernfalls bestand die Gefahr auf der Wiese im Matsch stecken zu bleiben. Dauernd würgte ich unser Auto ab und wenn das nicht schon genug wäre, machte mich die Lenkrad-Heizung, die mein Papa vergessen hat auszuschalten, völlig verrückt. Total verzweifelt stieg ich aus und verfluchte innerlich bereits alle Benziner. Wie kann man so etwas bloß fahren? Ah du meine Güte! Diesel sind viel besser, die fahren viel weicher. Das Fahrschulauto habe ich noch nie abgewürgt! 

Ich erzählte meinem Fahrlehrer von der (katastrophalen) Fahrt. ,,Lustig'', sagte er, ,,wir kriegen Ende Februar auch ein neues Auto. Einen Benziner.'' Was? Oh nein, wieso? Das ist jetzt nicht sein ernst. Bitte keinen Benziner! Keinen Benziner. Prüfung? Ich werde meine Prüfung auf einem Benziner machen müssen? Freunde, das wird nichts werden. Ich werde das nicht schaffen. 

Ich hatte bereits die schlimmsten Albträume von dem neuen Fahrschulauto, es würde mich hassen, ständig ausgehen. Und irgendwann dann saß ich drinnen. Das gleiche Modell wie das alte Auto, ebenfalls ein VW Golf, nur eben ein Benziner. Komischerweise viel mir erst nach einer Weile des Fahrens auf, dass ich doch gerade einen Benziner fahren würde. ,,Oh'', sagte ich, ,,der ist ja gar nicht so schlimm.'' Er war es nicht. Zwar würgte ich ihn ein, zweimal ab und musste mich an einen neuen Schleifpunkt gewöhnen, doch in Wirklichkeit war er wie der vorherige Golf. 
Es waren die vielen Hügel und Kurven, die mich damals auf dem Verkehrsübungsplatz so wahnsinnig gemacht haben. Eigentlich, sind Benziner nicht so schlimm. Lediglich nicht ganz so gutmütig, wie Diesel, würde mein Fahrlehrer sicherlich sagen, man muss die Kupplung langsamer lösen und mehr Gas hinzugeben. 

Die Fahrprüfung
Eines Tages dann, ich war gerade nach Hause gekommen, rief mich mein Fahrlehrer an. Meine Fahrprüfung würde sicherlich irgendwann im März stattfinden, dachte ich. Irgendwann. Und so richtig glaubte ich selbst nicht daran, dass sie je stattfinden würde. Irgendwann halt. Wenn man kein genaues Datum vor Augen hat, dann ist das so, dann denkt man, dass es irgendwann schon passieren wird, aber nicht so richtig. ,,Julia! Nächste Woche die Prüfung...''-,,Was?'' Prüfung, welche Prüfung? ,,Moment mal, haben Sie gerade Prüfung gesagt?''-,,Ja. Deine Fahrprüfung, die findet doch nächsten Dienstag statt. Haben wir doch besprochen, oder nicht?'' Nein haben wir nicht. Ich war sehr geschockt, doch auf der anderen Seite auch glücklich. So schlecht scheine ich gar nicht zu sein. Immerhin will er mich für die Fahrprüfung anmelden. Ich bewege das Auto fort. Ich kann Autofahren... oder aber mein Fahrlehrer will mich loswerden. Wir einigten uns darauf, dass ich ihn zurückrufen und mir in Ruhe überlegen würde, ob ich mich denn mental für diese Prüfung bereit fühle. ,,Früher oder später wirst du die Prüfung machen müssen'', sagte mir eine Freundin, die kurz zuvor auch ihren Führerschein gemacht hatte. Ich hörte auf sie und ich erinnerte mich daran, wie noch wenige Wochen zuvor ich es war, die sie beruhigen musste. Jetzt war es umgekehrt. Also gut, dachte ich, ich werde zur Prüfung gehen. Ich gab meinem Fahrlehrer bescheid. Besonders beruhigt hatte mich seine Aussage: 

,,Eine Fahrprüfung kannst du nach 2 Wochen wiederholen, wenn es nicht klappen sollte. Das ist kein Weltuntergang. Viel schlimmer ist ein versautes Abitur.'' 

Und so vergingen die Tage und komischerweise wartete ich die ganze Zeit auf diese Aufregung, die man doch vor der Fahrprüfung doch hat. Sie kam nicht, zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem sie sonst immer beschrieben wird. Vielleicht beruhigten mich die Worte meiner Freunde, die ihre Fahrprüfung schon hinter sich hatten und mir von ihren Erfahrungen erzählten. Ich war nicht alleine, ich war nicht der einzige Mensch der geprüft werden würde. Anders als empfohlen, erzählte ich allen möglichen Leuten, dass bald doch meine Fahrprüfung anstehe. Dass das ziemlich leichtsinnig war, ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden, doch irgendwie verhalf es mir dazu, noch ruhiger und noch entspannter zu sein. 
Ich kaufte mir eine Packung Kaugummi mit Apfelgeschmack, in der Hoffnung Kaugummi-Kauen, würde mir helfen, mich besser konzentrieren zu können. Mein Fahrlehrer mahnte mich nämlich, ich müsse bei der Prüfung hochkonzentriert sein, nur die 45 Minuten lang und dürfe nur an das Hier und Jetzt denken und danach an alles mögliche. Es passierte mir in den Fahrstunden nämlich nicht selten, dass ich mal statt links rechts blinkte, einen Bus übersah, oder nicht wusste, ob ich dreißig, oder fünfzig waren durfte. 
Ich wurde von Zuhause abgeholt, das Auto war frisch von der Autowäsche und ich hatte noch einen kleinen Zeitpuffer, so dass wir kurz vor der Prüfung noch vier Mal das Einparken übten. Irgendwie klappte es nicht so wirklich, ich realisierte nicht, dass mir gleich die Prüfung bevorstehen würde.
Und dann kam der Prüfer ins Auto gestiegen, setzte sich hinten rein und stellte sich mir kurz vor. Ein netter, dachte ich und startete den Motor. Wir fuhren geradeaus, ich kaute das Kaugummi, doch irgendwie war ich immer noch verblüffend ruhig. Weder der Prüfer, noch mein Fahrlehrer sagten irgendwas. Jedesmal wenn ich nach hinten blicke, sah ich, dass der Prüfer ununterbrochen in sein Handy starrte. Hmmm. Ich sollte einparken, blinkte im letzten Moment, da ich mir nicht sicher war, wo ich denn einparken sollte. Sehr viel Seitenabstand. In meinen Augen zu viel. ,,Darf ich das noch einmal korrigieren?''-,,Wieso?'' Und dann fingen meine Hände wie wild zu schwitzen an. ,,Wir stehen doch gut.'' Na, wenn sie meinen. Gefahrenbremsung. Sie verlief gut, doch in meinem Kopf hörte ich dauernd die Stimme des Prüfers ''Wieso?'' fragen. An einer Ampel würgte ich den Motor ab, biss auf das Kaugummi und startete ihn wieder neu. Der Prüfer muss mich ziemlich unhöflich gefunden habe, so wie ich das Kaugummi da kaute, doch in dem Moment, war mir das ziemlich egal. Ich wollte einfach bestehen und mich nicht mit dem Prüfer anfreunden. An einer rechts-vor-links-Kreuzung hielt ich über der Haltlinie, sah einen Bus in meine Richtung kommen, wollte nach hinten ausweichen, doch hinten war alles zu. Schließlich kam eine Lücke, schweißgebadet überquerte ich die Straße und fuhr weiter. Die Stimme des Prüfers wurde immer unfreundlicher und genervter. In meinen Ohren zumindest. Wir fuhren auf die Autobahn zu. Davor graute es mir am meisten. Vor allem vor der Auffahrt. ,,Wir biegen rechts ab, auf die Autobahn.'' Da muss ich jetzt durch. Und plötzlich erinnerte ich mich an alles, was ich über das Auffahren auf die Autobahn gelernt hatte. Im dritten Gang, Vollgas, Außenspiegel, blinken, geradeaus, Seitenspiegel, Schulterblick, wechseln, sechster Gang. Das Lenkrad hielt ich fest umschlossen. Vor uns fuhr eine Reihe von LKW's. Ich sollte Richtgeschwindigkeit fahren, das hatte mir der Prüfer doch gesagt. 130 km/h und nicht 90. Ich musste überholen, doch auf der linken Spur fuhr eine unendliche Reihe von Autos. Irgendwann schaffte ich es dann doch zu wechseln. Wie vom Pech verfolgt: Ich konnte keine Lücke zum Wiedereinordnen finden. ,,Wir nehmen bitte die nächste Ausfahrt.'' Mist! Mein Fahrlehrer neben mir bereits sehr blass, ich schweißgebadet. Irgendwie ging es dann doch, ich wechselte auf den rechten Fahrstreifen, blinkte, und ratterte in hoher Geschwindigkeit die kurvige Ausfahrt runter. In meinen Augen eine Tat, die mit sehr viel Talent meinerseits verbunden war. So fuhr ich zum TÜV zurück und strahlte. Ich habe es bis zum TÜV geschafft, ich habe die Prüfung bestanden! Mensch, bin ich gut. Der Prüfer ist bestimmt ganz außer sich vor Bewunderung. 
,,Knapp'', knurrte er und reichte mir einen Zettel zum Unterschreiben, ,,ich habe noch mal ein Auge zugedrückt.'' Was? Was hat er da gerade gesagt? Ja, ich habe bestanden. Das war mir in dem Moment jedoch ziemlich Schnuppe. Er hat ein Auge zugedrückt? Wie bitte? Ich bin 1a gefahren! ,,Man kann doch nicht mit 70 km/h die Autobahn runterbrettern. Und außerdem: An dem Kreisverkehr, bei alten Leuten kann man nie wissen. Sie hätten sich das Anhalten auch sparen können. Mitten auf dem Zebrastreifen halten, ich bitte Sie...''.  Mir wurde bewusst, dass die Prüfung auch erst am Schluss hätte ''vorbei sein'' können, dass ich mit falscher Hoffnung zum TÜV hätte fahren könnte und mir erst am Ende hätte verkündet werden können, dass es nicht gereicht hat. Mit zittriger Hand unterschrieb ich den Zettel, packte ihn ein und war immer noch völlig perplex. Ich verabschiedete mich von meinem Fahrlehrer, überreichte ihm eine Packung ''Merci'' und war froh das Kapitel ''Führerschein'' endlich hinter mir zu haben. 
Am späten Nachmittag klingelte mein Handy. Es war mein Fahrlehrer. Auf Nachfrage habe ich meinem Umfeld bereits erklärt, ich hätte bestanden. ,,Du'', sagte er, ,,dem Prüfer ist doch noch ein ziemlich großer Fehler eingefallen...'' Das kann doch jetzt nicht wahr sein. Nein. Ich will nicht noch einmal, oh man, zu früh gefreut. Und ich dachte, ich hätte es schon hinter mir. Wie soll ich das denn den anderen erklären? Vor lauter Aufregung habe ich völlig vergessen, was für ein Spaßvogel mein Fahrlehrer doch war. Es war ein Witz. Er beruhigte mich und versicherte mir, die Prüfung bestanden zu haben. Trotz aller Kritik des Fahrprüfers, sagte er, waren doch viele Dinge sehr gut gelaufen. Sonst hätte ich die Prüfung gar nicht erst bestanden. 


Schlussendlich kann ich sagen, dass mir meine Fahrschulzeit sehr gefallen hat. Ich hatte einen sehr netten, geduldigen und humorvollen Fahrlehrer und habe letzten Endes sowohl die Theorieprüfung, als auch die Fahrprüfung beim ersten Anlauf bestanden. Auto fahren macht wirklich sehr viel Spaß und ich freue mich, nun einen Schritt selbstständiger geworden zu sein. Allen, die die Prüfungen noch vor sich haben drücke ich die Daumen und kann nur sagen: Augen zu und durch! Irgendwann wird es mit Sicherheit klappen. 

Liebe Grüße,

Julia :)


Montag, 5. März 2018

|Sonnenschein und Krokusse|


Liebe Leser, liebes Zukunfts-Ich!

Das Wetter spielt verrückt- zumindest hier im Rheinland. Letzte Woche Frost und Sonne, zwischendurch mal etwas Schnee, heute wieder ''Frühlings-Grade.'' Mal schauen, was uns noch so erwartet. Nun denn, heute wollte ich endlich die schönen Fotos teilen, die ich vergangene Woche bei einem Spaziergang gemacht habe. Schönheit ist zwar subjektiv, doch wer findet Blumen bitte nicht schön? Viel Spaß!










Sonntag, 18. Februar 2018

|Haferbrei mit Mandeln und Kirschen|




Liebe Leser, 

heute gibt es wieder eine Frühstücks-Inspiration. Es gab Haferbrei (''Porridge''), dazu eine Banane, eingelegte Kirschen, Mandeln, Kokosflocken und einen grünen Tee. 








Samstag, 10. Februar 2018

|Von der Realschule auf's Gymnasium| Erfahrungsbericht


Liebe Leser, liebes Zukunfts-Ich! 

Nun besuche ich bereits seit mehr als einem halben Jahr die Oberstufe eines Gymnasiums, nachdem ich letzten Sommer meinen Realschulabschluss an meiner alten Realschule erfolgreich absolviert habe. Die Eindrücke und Erfahrungen, die ich in diesem halben Jahr bereits gesammelt habe, möchte ich heute mit euch teilen. Viel Spaß!


Grundschulempfehlung
Angefangen hat selbstverständlich alles in der Grundschule, genauer gesagt in der vierten Klasse, als man sich so langsam darüber Gedanken gemacht hat, auf welche weiterführende Schule man später gehen möchte. In der Grundschule habe ich mich nicht wirklich auf den Unterricht konzentriert, habe nicht verstanden, dass Klassenarbeiten ernst zu nehmen sind, schrieb bis auf Mathe in der Regel vieren und war im Großen und Ganzen ein ziemlich schüchterndes Kind. Nichtsdestotrotz hielt ich mich selbst nicht für dumm und war dementsprechend schockiert, als meine Mutter von einem Elterngespräch kam und mir mitteilte, meine Klassenlehrerin würde mir die Gesamtschule empfehlen. Für mich gab es eine Hierarchie und die lautete: Gymnasium, Realschule, Gesamtschule, Hauptschule. Gesamtschule, Gesamtschule. Das ist ja die zweitschlechteste Schule, dachte ich mir in Tränen aufgelöst. Es kam mir vor, als sei mein Leben gelaufen, als hätte nichts mehr einen Sinn. Ich war stets überzeugt davon gewesen, in ''ferner Zukunft'' mal auf Gymnasium zu gehen, auf dieses blaue Gymnasium an dem wir auf dem Weg zum Einkaufen immer vorbei fuhren. Und alle meine ''Pläne'' hatten sich mit einem Schlag in Luft aufgelöst. 

Kurze Zeit später bekam ich mit, dass die Empfehlung der Klassenlehrerin nur eine Empfehlung war und ich deswegen nicht zwangsläufig auf die Gesamtschule müsste, sondern sehr wohl auch das Gymnasium besuchen könnte. Meine Mutter versuchte mich davon zu überzeugen es mit dem Gymnasium zu versuchen, doch ich hatte den Mut in mich längst verloren und sah Hoffnung in einer Realschule, auf die eine Freundin von mir gehen sollte. Wir gingen also zum Tag der Offenen Tür und ich traf dort eine Lehrerin, die mir sofort sehr sympathisch war. Sie versprach mir und den anderen Kindern, die um sie herum standen: ,,Wenn ihr in der siebten Klasse seid, dann stellen wir in Chemie selber Nagellacke und Lippenstifte her.'' Ich war begeistert und so kam es, dass ich mich an genau dieser Schule anmeldete und nach den Sommerferien dann offiziell dort Schülerin war. 

Die Zeit an der Realschule 
Der Besuch einer neuen Schule mit neuen Lehrern, neuen Mitschülern, neuen Fächern. Man könnte glatt meinen, dass es ein völliger Neuanfang war. Weg von den vieren, auf zu den Einsen! Man könnte es meinen, doch in den ersten drei Monaten lebte ich mit meiner unterbewussten Einstellung aus der Grundschule ''Schule ist unwichtig'', weiter. Eines Tages jedoch machte es bei mir wortwörtlich ''klick''. Die Lehrerin, die mir beim Tag der offenen Tür von den Nagellacken erzählt hatte, war nun meine Klassenlehrerin und bat nach dem Unterricht eine Freundin von mir nach vorne. Ich ging mit ihr und bekam mit, wie die Lehrerin ihr sagte:,,Wenn du dich bloß etwas mehr melden würdest, dann würdest du eine zwei auf dem Zeugnis kriegen.'' Voller Neugier fragte ich meine Klassenlehrerin: ,,Und ich?'' Sie sah mich irritiert an und teilte mir mit, ich wäre eine ''Vierer-Kandidatin''. Verbesserungsvorschläge? Nannte sie nicht. Es schien ganz, als sei dies mein Schicksal, als könnte ich gar nicht anders, als wäre ich quasi dazu geboren Vieren zu kriegen. Und genau in diesem Moment sagte ich mir: Das geht so nicht, das muss sich ändern! Ich nahm mir also vor mich von nun an jedesmal zu melden, wenn ich etwas wusste und nicht faul und verängstigt in der Ecke rum zu sitzen. Sind wir doch ehrlich, die Leute sind viel zu beschäftigt mit sich selbst, um sich über die anderen Gedanken zu machen. Und auch die Arbeiten wurden besser, als ich begriffen habe, dass diese wichtig und ernst zu nehmen sind. Mir fiel sogar auf, dass ich nicht wirklich dafür lernen musste. Im Unterricht aufzupassen reichte vollkommen aus. Am Ende des ersten halb Jahres verkündete meine Klassenlehrerin dann, ich sei die Klassenbeste und hätte einen Durchschnitt von 2,0. Das wiederum bedeute, dass ich bei der Zeugnisausgabe auf die sogenannte ''Bühne'' kam, auf die alle Schüler mit einem besseren Durchschnitt als 2,0 kamen. Das Ganze gab meinem Selbstbewusstsein einen unglaublichen Schub und so kam es, dass ich bis auf einige Ausnahmen bis zum Abschlusszeugnis jedes Mal auf die ''Bühne'' kam. 

Trotz mehrfachen Gymnasium-Empfehlungen, wollte ich nicht auf's Gymnasium wechseln. Den Kindergarten hatte ich drei Mal gewechselt, die Grundschule einmal und jetzt wollte ich zumindest einmal vom Anfang bis zum Ende mit dabei sein. Meine Eltern sahen das ganze kritisch, besonders den Lehrplan der Realschule: Musik hatte ich lediglich bis zur sechsten Klasse, richtiges Chemie nur ein halbes Jahr lang und auch bei anderen Fächern mangelte es an Unterrichtsstunden. 

Wahl des Gymnasiums
Für mich stand seit der fünften Klasse fest, dass ich mein Abitur machen werde. Schließlich wollte ich unbedingt Medizin studieren und wenn das nicht klappen sollte, dann war Lehramt die Alternative. Während andere sich zwischen Berufskolleg und Ausbildung entscheiden sollten, musste ich mich lediglich für ein Gymnasium entscheiden. Mein Favorit war ein mehr oder weniger elitäres Gymnasium in meiner Nähe. Beim Gespräch mit dem Oberstufenkoordinator, wurde mir mit jedem Satz den er sagte immer mehr klar, dass das nichts wird. Er versuchte mir bewusst zu machen, dass dieses Gymnasium einfach keine Realschüler aufnimmt. Ich sei zwar nicht schlecht, doch noch lange nicht gut genug für sie. Und selbst wenn mein Zeugnis einen Schnitt von 1,0 haben würde, wäre es mit meiner Aufnahme problematisch. Ich kam mir vor wie ein Mensch zweiter Klasse und wurde zwei Wochen später auf ein anderes Gymnasium aufmerksam, ein Gymnasium, das auch einige meiner Klassenkameraden vor hatten zu besuchen. Ich schrieb eine verspätete E-Mail und wurde wenige Tage später zu einem ''Vorstellungsgespräch'' eingeladen. Der Oberstufenkoordinator erklärte mir das System der Schule. Die Realschüler (auch Seiteneinsteiger genannt) würden jeweils eine eigene Klasse bekommen mit der zusammen sie die Hauptfächer Deutsch, Mathe und Englisch unterrichtet bekämen. Die restlichen, selbstgewählten Fächer, würden in Kursen vermischt mit den ''Gymnasiasten'' unterrichtet werden. 

Realschulabschluss mit Q und 2 Fremdsprachen- 10. oder 11. Klasse?
Da ich in der sechsten Klasse Französisch gewählt habe, daher eine zweite Fremdsprache für die Sekundarstufe 1 nachweisen konnte und auf meinem Abschlusszeugnis einen Durchschnitt von 1,7 hatte, war auf meinem Abschlusszeugnis vermerkt worden, ich könnte statt die 10. Klasse am Gymnasium zu wiederholen, direkt in die 11. Klasse (Qualifikationsphase 1) übergehen. Ich war mir sehr unsicher, ob ich diese Gelegenheit nutzen sollte, zumal ab der Q1 alle Klausuren in das Abitur mit einfließen. Schlimmstenfalls könnte ich mir durch dieses eine Jahr also meinen Schnitt ruinieren.ich entschied mich dagegen, aber dazu später mehr. 

Das 1. Halbjahr am Gymnasium/Atmosphäre 
Oftmals wird behauptet nach dem Übergang ans Gymnasium würden die Noten in jedem Fach um zwei herabfallen, die mündliche Mitarbeit würde besonders zählen, und, und, und. Ich nahm mir vor mich den neuen Umständen anzupassen und war umso mehr verwundert, als ich feststellen musste, dass dem nicht so war: Meine Noten blieben nahezu identisch und auch die mündliche Mitarbeit war genauso rege, bzw träge wie auf meiner alten Schule. Es gibt manche die sich viel melden und ebenso manche, die sich etwas weniger melden. Nicht alle sind in allen Fächern spitze, jeder hat seine Stärken und Schwächen. Was mir jedoch besonders aufgefallen ist: Die Schüler haben Interessen. Das klingt zwar sehr absurd, doch auf der Realschule haben viele sich mit den ''Hobbies'' ''Freunde treffen'' und ''chillen'' zufriedengegeben. Selbstverständlich nicht alle. Hier jedoch, gibt es die verschiedensten Arten seine Freizeit zu verbringen: Viele gehen reiten, andere wiederum sind in Tanzvereinen, gehen Segeln, oder spielen Instrumente. Natürlich ist das alles mit Kosten verbunden und nicht jeder kann es sich leisten ein Pferd zu besitzen, oder Geige zu spielen. Ohne meine alten Mitschüler verletzen zu wollen, erscheinen mir die Schüler meines Gymnasiums jedoch williger etwas für ihre Persönlichkeitsentwicklung zu tun und etwas zu lernen. Es kommt mir so vor, als würden sie verstehen, dass sie für sich und nicht für den Lehrer, oder die Eltern lernen. 

Wir als Seiteneinsteiger wurden mit Neugier und Offenheit von den ''Gymnasiasten'' empfangen und haben uns gut eingelebt. Ich bin froh, dass ich mich für das Gymnasium mit den speziellen Klassen für die Seiteneinsteiger entschieden habe, da ich hier sowohl Gleichgesinnte als auch ''Ur-Gymnasiasten'' kennengelernt habe und mich sehr wohl fühle.

Fazit

-Ein Grundschüler ist in der Regel nicht in der Lage zu entscheiden, welche Schulform für ihn die beste sein wird. Er lässt sich schnell verunsichern und von Freunden lenken. Daher denke ich, dass die letzte Entscheidung immer noch von den Eltern und nicht von dem Schüler selbst getroffen werden sollte. 

-Da ich in der Grundschule ziemlich schüchtern gewesen bin und mir erst die guten Noten der Realschule geholfen haben, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen, bin ich mir unsicher, ob ein direkter Gang zum Gymnasium den gleichen Effekt gehabt hätte, oder womöglich das Gegenteil (noch schlechtere Noten ) bewirkt hätte. Womöglich ist die ''leichtere Schulform'' für schüchterne Schüler die bessere Wahl, so lange die Schüler die Situation nicht ausnutzen und statt zu lernen lieber faulenzen. 

-Auf der Realschule herrschte eine in meinen Augen sehr familiäre und unterstützende Atmosphäre. Es hat viele verschiedene Projekte gegeben, deren Ziel die Stärkung der Klassengemeinschaft war. Man hat sich aufgehoben und sicher gefühlt, zumal die Klassengemeinschaft sechs Jahre lang bestehen blieb und nicht wie auf anderen Schulen nach zwei Jahren durchmischt wurde. 

-Nach einem halben Jahr kann ich sagen, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, die zehnte Klasse des Gymnasiums zu wiederholen und nicht direkt in die 11. überzugehen. Besonders die Wahl der Abiturfächer, die ich, würde ich direkt in die 11. übergehen, bereits letzen Sommer hätte vornehmen müssen, wäre miserabel ausgefallen. Das Fach Französisch, welches auf dem Gymnasium viel intensiver als auf der Realschule behandelt wird, hatte ich vor als drittes Abiturfach zu wählen. Aus heutiger Sicht wäre das definitiv ein Fehler gewesen und hätte mir meinen Schnitt mit großer Wahrscheinlichkeit ''versaut''. Ebenso werden in der 10. Klasse des Gymnasiums in Mathe Themen behandelt, die auf der Realschule nicht einmal angesprochen wurden. Ich wäre demnach mit großen Wissenslücken in die erste Qualifikationsphase gestartet.

- Das Wiederholen der 10. Klasse am Gymnasium (EF) sehen ich und die übrigen Seiteneinsteiger nicht wirklich als das Wiederholen einer Klasse, sondern eher wie ein weiteres Schuljahr an, da der Unterrichtsstoff uns größtenteils völlig neu ist. So haben wir quasi statt G8, G9 und somit mehr Zeit uns auf das Abitur vorzubereiten. 





Sonntag, 4. Februar 2018

|Praktikum im Krankenhaus|



Liebes Zukunfts-Ich, liebe Leser!


Gestern war der letzte Tag meines zweiwöchigen Praktikums im Krankenhaus. Am besten, ich beginne einfach ganz von vorne:

Nach einem Praktikum im Kindergarten und in der Grundschule, durfte ich endlich ein Praktikum im Krankenhaus machen (Mindestalter: 16 Jahre). Gegen Ende September schickte ich meine Bewerbung ab und wurde ein paar Wochen später zu einer Art ''Vorstellungsgespräch'' eingeladen. Die Frau aus der Verwaltung fragte mich, in welcher Abteilung ich am liebsten tätig sein würde. Zur Auswahl nannte sie mir die Unfallchirurgie, die Allgemeinmedizin und die Onkologie. Am liebsten würde ich natürlich auf die ''Baby-Station'', aber da diese nicht zur Auswahl stand, verschwieg ich ihr meinen Wunsch. ,,Was passiert denn auf der Onkologie-Station?'', fragte ich und mir fiel erst im Nachhinein auf, dass ich meine Frage völlig falsch formuliert hatte. ,,Was ist die Onkologie?''-,,Was bedeutet Onkologie?'', hätte ich lieber fragen sollen. Schwamm drüber. Sie versuchte mir zu erklären, dass jeden Tag etwas anderes passiert und sie mir nicht genau sagen könne, was in ein paar Monaten passieren wird. Ein bisschen blöd kam ich mir dabei schon vor. Letztenendes entschied ich mich für die Allgemeinmedizin. 

Am dritten Januar Montag ging es dann endlich los! Im Gegensatz zu meinen vorherigen Praktika, war ich dieses mal kein bisschen aufgeregt. Im Bus begegnete ich Schülern meiner alten Schule. Die armen, dachte ich mir, die haben jetzt einen stinknormalen Schultag vor sich und ich einen bestimmt super spannenden Tag im Krankenhaus. Ich fuhr also wie abgesprochen mit dem Aufzug in den vierten Stock und wartete mit drei weiteren Praktikanten auf die Frau aus der Verwaltung. Keiner von uns sagte ein Wort. Nach wenigen Minuten bat mich die Frau aus der Verwaltung in ihr Büro und gab mir ein Namensschild, zehn Essensmarken, sowie ein Schweigepflicht-Formular, welches ich unterschreiben sollte. Danach ging es mit den anderen Praktikanten in den Keller. Wir holten uns unsere ''Praktikanten-Uniformen.'' Eine gewöhnliche, weiße Stoffhose und dazu einen weißen Kasack (eine Art Hemd) mit auffälligen gelb-blauen Streifen (ACHTUNG: Praktikant!) Danach verteilten wir uns auf den Stationen: Ein Mädchen ging in die Unfallchirurgie, ein Junge woanders hin und ich und ein anderes Mädchen kamen mit der Frau aus der Verwaltung schließlich auf der  dritten Etage an. Nach rechts ging es zur Allgemeinmedizin, nach links zur Onkologie (zuhause hatte ich gegoogelt und wusste bereits, dass es sich bei der Onkologie-Station, um die Krebs-Station handelte). ,,Ich bringe zwei Praktikanten'', rief die Frau aus der Verwaltung einer Schwester zu. ,,Wie alt?''-,,Beide 17 Jahre.''-,,Wir haben zu viele Iso-Zimmer. Das geht nicht, bring sie auf die Onkologie.'' (Iso-Zimmer= Isolations-Zimmer-> Noroviren, Verdacht auf Tuberkulose etc.) Was? Onkologie? Nein. Nein! Bitte nicht!- Ach, es wird schon nicht so schlimm sein. 

Eine FSJlerin (Freiwilliges-Soziales-Jahr), zeigte uns, wo wir uns umziehen könnten, danach ging es bereits zum ersten Patienten. Schon auf dem Flur nahm ich seltsame, nicht wirklich angenehme Gerüche wahr. Der Patient, ein älterer Herr, konnte sich kaum bewegen und hatte starke Schmerzen. Für mich war das wie ein Sprung ins kalte Wasser. Ich war total im Schock. ,,Dieses Elend'', knurrte er kraftlos und brabbelte noch etwas vom Sterben. Er tat mir so unfassbar leid und ich stand einfach da und konnte ihm nicht helfen. Die FSJlerin wusch seinen Rücken, die andere Praktikantin half tapfer mit. Der Zimmernachbar des älteren Herren war ein zwanzig bis dreißigjähriger, sehr dünner Mann, der einen Beutel mit bräunlichem Inhalt an seinem Bett hingen hatte. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, doch innerlich sagte ich mir: Das war ein Fehler! Ich hätte lieber in den Kindergarten gehen sollen. Da ist bis auf eine Schürfwunde und einen harmlosen Streit mit dem Sandkasten-Kollegen, alles Friede-Freude-Eierkuchen. Und hier...

Am Ende des ersten Tages schwärmte die andere Praktikantin von dem Tag (für sie war es nur ein Probe-Tag gewesen) und unterschrieb einen Ausbildungsvertrag. Ich konnte ihr Empfinden absolut nicht nachvollziehen, war tot unglücklich und war mir sicher, den ganzen Tag lang lieber tausende von Strohhalmen zu zählen, als einen weiteren Tag im Krankenhaus verbringen zu müssen. Mit einer Motivation gleich null ging ich am Dienstag ins Krankenhaus und im Gegensatz zum Vortag, beneidete ich meine alten Mitschüler denen ich auf dem Weg dorthin begegnete, nun darum, dass sie einen Schultag vor sich hatten. Ich wollte auch zur Schule gehen! Noch zwei Wochen! Noch 336 Stunden, dachte ich mir, und ich kann wieder im Matheunterricht sitzen. Und obwohl ich den Matheunterricht für gewöhnlich zum Einschlafen finde, nahm ich mir vor, in Zukunft jede einzelne Minute davon zu genießen. Schließlich war alles besser, als hier im Krankenhaus sein zu müssen. Ich verbrachte also einen zweiten Tag im Krankenhaus, teilte Essen aus, half beim Waschen der Patienten mit, machte die Wäschekörbe frisch, schob Betten umher und war am Ende des Tages ebenso deprimiert, wie am Anfang des Tages. 

Und da ich mir sicher war, dass auch der Mittwoch sehr deprimierend werden würde, ging ich wieder mit einer schlechten Einstellung ins Krankenhaus und war innerlich bereits auf das Schlimmste vom Schlimmsten eingestellt. Die Langeweile und das Mitleid. Am Mittwoch hatten zwei Schwestern Dienst, die ich bis dahin noch nicht kannte. Sie waren jung und baten mich und eine weitere Praktikantin den Blutzucker der Patienten zu messen. Und da machte es *klick* bei mir und ich fing an Freude an meinem Praktikum zu haben. Ich trug die Werte ein, kannte den Großteil der Patienten bereits bei Namen und es machte mir auch nichts mehr aus, sie waschen, oder ihnen beim Toilettengang helfen zu müssen. Ich erinnere mich, dass meine Füße am Montag unglaublich weh getan haben und ich kaum noch stehen konnte. Am Mittwoch hingegen, habe ich kaum noch Schmerzen verspürt. Es machte mich glücklich, wenn ich den  Patienten durch meine Arbeit ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnte. Sie sind mir richtig ans Herz gewachsen, die Patienten. Mir fiel auf, dass bis auf eine Dame, alle weiteren Patienten ihre Haare behalten hatten. Einige davon hatten sogar keinen Krebs, sondern seien nur auf der Station, da auf den anderen kein Platz mehr für sie war. Am Freitag der ersten Woche, verabschiedete ich mich mit der anderen Praktikanten von allen Patienten, da wir uns übers Wochenende nicht sehen würden. Eine ältere Patientin sagte zu uns als wir herein kamen um uns zu verabschieden, dass sie uns vermisst hätte. Sie sagte dies aus letzter Kraft, da sie wirklich sehr schwach war. Als wir am Montag wieder kamen und sie nicht mehr da war, sagte eine Schwester, sie sei am Samstag verstorben. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie war ich glücklich darüber. Ich war glücklich, dass wir ihr noch in ihren letzten Tagen haben helfen können und dass sie es jetzt viel leichter hat und nicht mehr leiden muss. 

In der zweiten Woche entschloss ich mich, bei mehreren Untersuchungen, wie beispielsweise einer Darmspiegelung zuzusehen. Es fasziniert mich bis jetzt, wie fortgeschritten die Technik heutzutage doch ist: Wir haben einfach so mit einer Kamera in den Darm eines Patienten sehen können! Ist das nicht großartig? Mit einer Schlaufe entfernten der Arzt und seine Assistentin mehrere Polypen (eine Art ''mini-Darmkrebs'') aus dem Darm des Patienten und machten dabei einen erstaunlichen Fund: Im Darm befand sich ein blauer Gummihandschuh. Vermutlich ist er bei einer Operation vergessen worden- obwohl er doch ziemlich neu aussah. Und apropos Handschuh: Der Handschuhverbrauch im Krankenhaus ist wirklich enorm. Beim Betreten eines jeden Zimmers sind Handschuhe anzuziehen, die beim Verlassen wieder entsorgt werden müssen. An einem Tag zählte ich mit und kam auf 30 Paar Handschuhe, die ich innerhalb von 8 Stunden verbrauchte. Die Hygiene geht nun mal vor- und das ist auch gut so. 

,,Ich orientiere mich an den Pfeilen'', scherzte der Arzt, als ich ihn bei der Magenspiegelung fragte, woher er wissen würde, wo die Speiseröhre und wo die Luftröhre ist und erklärte mir sein Vorgehen ganz genau. Im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass die Ärzte super nett und überhaupt nicht überheblich, oder gar arrogant waren. Ganz anders hingegen die zwei Ärztinnen, die ich kennen lernen durfte. Die eine mied meinen Blick komplett und behandelte mich wie Luft, die andere schien sich für etwas Besseres zu halten und hielt es nicht für nötig meinem ''Guten Morgen!'', zu antworten. Naja, womöglich sind es die Hormone. Vielleicht sind die beiden ja gerade in ihren Wechseljahren, wer weiß. 

Vorgestern dann das Finale! Ich sollte bereits um halb acht da sein, denn ich hatte vor, bei einer OP zuzusehen. Am besten irgendwas im Bauchraum, dachte ich, da kann ich am meisten sehen. Oder was am Herzen. ,,Die Patientin wird an der Wirbelsäule opertiert'', sagte eine Schwester zu mir, als ich bereits in der Schleuse stand und mich entscheiden sollte, bei welcher OP ich zusehen wolle. ,,Willst du hier zusehen?'' Ich nickte und gleichzeitig wurde eine ältere Dame eingeschoben. Man legte sie vom gewöhnlichen Krankenbett auf eine Art ''Brett auf Rollen'' und deckte sie zu. ,,Herzschrittmacher.'' Herzschrittmacher? Oh, das klingt spannend. Da sieht man bestimmt das ganze Herz- und nicht nur ein paar Knochen. ,,Oder willst du lieber hier zusehen?'' Erneut nickte ich und wurde von der Schwester schließlich in die Umkleidekabine begleitet. Andere Hose, anderer Kasack, andere Schuhe. Alles in blau. Alles extra fürs OP. Nicht zu vergessen die sexy Kopfhaube und der Mundschutz. Auf geht's! Zuerst ging es zum Anästhesiologen. Während ich mich mit den anderen Schwestern umgezogen habe, wurde die Patientin bereits in den Vorraum zum OP-Raum gebracht und dort vom Anästhesiologen(''Betäubungs-Arzt'') behandelt. Da die Patientin bereits etwas älter war und demnach keine Zähne mehr hatte, bekam sie eine Art gebogene Schiene in den Mund geschoben. Der Anästhesiologe zeigte mir ihre Stimmbänder und spritzte ihr das Betäubungsmittel ein. Daraufhin begann die Beatmung mit 80%igem Sauerstoff. Die Patientin wurde in den OP-Raum geschoben und ich sollte mir einen Röntgen-Schutz umlegen. Ein großer, etwas breiterer Arzt half mir dabei und stellte sich vor. Er hieß Sven, sein Nachname ist mir verflogen. Doktor Sven war für das Einstellen des Herzschrittmachers zuständig und erklärte mir und einem Medizinstudenten das Vorgehen des operierenden Arztes genau: Zuerst wurde ein Schnitt unter dem linken Schlüsselbein gemacht, anschließend eine Art Muskelstrang der zur Vene führt abgeschnürt und daraufhin mehrere Kabel Richtung Herz geführt. All das konnten wir über das Röntgenbild beobachten. ,,Ich dachte das ganze Herz würde freiliegen'', bemerkte ich. Der Arzt/Dr. Sven schüttelte den Kopf:,,Das wurde früher so gemacht. So eine OP hat um die fünf Stunden gedauert. Heutzutage dauert sie, wenn alles gut geht, rund zwanzig Minuten.'' Er fügt hinzu, der erste Herzschrittmacher sei im Jahre 1958 implantiert worden. Also vor genau sechzig Jahren. Ein wenig enttäuscht war ich schon: Ich hatte mir erhofft mehr zu sehen, als nur etwas Blut und ein paar Kabel. Dann endlich, als die Elektroden erfolgreich am Herzen angebracht waren, wurde die sogenannte ''Tasche'' für den eigentlichen Herzschrittmacher geformt. Der Operateur formte sie mit dem Fingern, um umliegendes Gewebe nicht unnötig zu zerstören, legte den Herzschrittmacher hinein und nähte anschließend alles sorgsam zu. ,,Jetzt können wir einen Kaffee trinken gehen!''

Rückblickend kann ich nur sagen: Mein Praktikum im Krankenhaus zu absolvieren war eine sehr gute Entscheidung gewesen und auch, dass ich auf der Onkologie-Station gelandet bin bereue ich nicht. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich darüber. Durch das Praktikum habe ich gelernt besser mit Menschen umzugehen, aufmerksamer auf sie zu zugehen und meine eigene Gesundheit mehr wertzuschätzen. Ich ertappe mich immer noch dabei, wie ich im Supermarkt, oder auf der Straße grinsend an anderen Leuten vorbeilaufe und ihnen ''Guten Morgen!'', zu rufe, oder mir nur schwer ein ''Ist alles in Ordnung bei Ihnen?'', verkneifen kann. Auch habe ich allen Respekt vor den Krankenschwestern, die jeden Tag wirklich harte Arbeit leisten. Vor allem aber freue ich mich darüber, dass ich während dieser zwei Wochen so viele tolle Leute haben kennenlernen dürfen. Und wenn ich daran zurück denke, wie glücklich die Patienten doch waren, als ich ein paar Minuten länger in ihrem Zimmer blieb und ihnen zuhörte, als sie mir von ihrem Leben erzählten... es ist unbeschreiblich. (Eine Sache wundert mich jedoch sehr: Wieso gab es auf der Onkologie-Station keinen grünen Tee, wo grüner Tee doch besonders krebsheilend sein soll?) 

Ich hoffe, dass ich jemandem mit diesem Blog-Beitrag weiterhelfen konnte. Und wenn irgendwer da draußen überlegt, sein Praktikum, sein FSJ, sein was auch immer im Krankenhaus zu machen, dann kann ich nur sagen: Tu es! Versuch es zumindest! Du wirst es nicht bereuen, denn auch wenn es dir nicht gefallen sollte, so wirst du mit hundert prozentiger Sicherheit viele wertvolle Erfahrungen sammeln können. Ich verspreche es dir!

Liebe Grüße, 

Julia (die überzeugt davon ist, dass man Krebs mit der richtigen Ernährung heilen kann. Aber dazu kommt noch was ;))